Big Kimshew
Nasse Paddelklamotten, Schnee, Regen und Temperaturen zwischen 0-8 ° C, so hatte ich mir Kalifornien eigentlich nicht vorgestellt. Trotzdem bin ich hochmotiviert. Das Zauberwort heißt Big Kimshew. Seit 2 Wochen warte ich auf diesen Creek, doch verschneite Straßen und kaltes Wetter machten es unmöglich. Doch jetzt soll es soweit sein. Gestern erreichte uns eine SMS von Lokal Taylor Robertson, dass die Straßen frei sind und der Wasserstand passt.
Wie üblich für einen Traumbach in Kalifornien, starten wir mit einem ca. 45 minütigen Fußmarsch. Zum Glück hat mein Körper sich an die körperlichen Strapazen gewöhnt, und somit ist das Booteschleppen ein Kinderspiel.
Kaum eingesetzt geht es am Anfang schon richtig zu Sachen. Eine Katarakt der mit einem 7m Wasserfall abschließt . Da ich zum Fotografieren ausgestiegen bin und die vermasselten Linien der anderen gesehen habe, kann ich es besser mache, fahre eine sauber Linie im Eingang, setzte einen kräftigen linken Boofschlag und hebe ab.

Foto 1: Darin McQuoid in dem 7 m Fall kurz nach dem Start Foto: Jonas Grünewald
Weiter geht es mit langen Katarakten, Rutschen und rückläufigen Stufen. Fast alles im Granitbett.
Dann bricht der Fluss ab: Kimshewfalls. Eine 15m hohe Wasserfall-Rutschen-Kombination.
Nach dem wir gescoutet haben und die Linien besprochen haben und die ersten schon unten sind, bin ich an der Reihe. Die Eingangsstufe befahre ich sehr langsam um genügend Zeit für die Einfahrt in den hohen Fall zu haben. Dann beschleunige ich mein Boot, setzte einen rechten kräftigen Paddelschlag, lehne mich nach vorne, ziehe das Paddel ans Boot und schlage weich im Pool unten ein. Traumhaft.

Foto 2: Kimshewfalls Paddler: Jonas Grünewald Foto: Darin McQuoid

Foto 3: Danny geht steil in Kimshewfalls Foto: Jonas Grünewald
Direkt geht es weiter in einem 5m Fall mit Lateboof und einigen spektakulären Rutschen.

Foto 4: Rutschen, Stufen, Rückläufe….Und ganz viel Granit. Taylor Robertson in Aktion Foto: Jonas Grünewald
Bald erreichen wir die letzte schwere Schlucht. Franchise Gorge. Verwinkelte Stufen, große Rückläufe. Dann müssen wir Umtragen, da die vorletzte Stufe direkt in Frenchy’s-Falls fließt, und ein Fehler große Konsequenzen zur Folge hat.
Ich stehe nun an Abrisskante von Frenchy‘s-Falls. 13m geht’s abwärts. Ich schaue mir den Fall an: „perfekter Wasserfall“ denke ich mir. Als mir jedoch der Einstieg zu diesem Fall erklärt wird, wendet sich meine Meinung.
Wir müssen 4 m vor dem Fall einen 3 m hohen Felsstart in ein kleines Kehrwasser neben einer unterspülten Felswand machen. Von dort aus eine Fähre zum rettenden und ruhigen Kehrwasser auf der anderen Seite. Dort tief durchatmen und dann den Fall hinunter.

Foto 5 Fast geschafft: Im Fall Darin McQuoid Foto: Jonas Grünewald
Als ich mich für den Felsstart ins Boot setzte ist meine Aufregung am Höhepunkt. Ich stoße mich kräftig ab und lande Flach im Kehrwasser: Ein Schmerz. Ohne lang zu zögern quere ich die Strömung mit kräftigen Schlägen und erreiche das rettende Kehrwasser. Durchatmen. Spritzdecke nochmal überprüfen und Wasser ins Gesicht spritzen. Durchatmen. Dann nehme ich Kurs auf den Fall und schlage 1,5 Sekunden später unten ein. Ein Glücksgefühl durchströmt meinen Körper.

Foto 6: Frenchy’s-Falls Paddler :Jonas Grünewald Foto: Darin McQuoid
Nachdem alle den Wasserfall gut gemeistert haben paddeln wir glücklich und entspannt zum Ausstieg. Die Abschlussstufe direkt an der Brücke bildet noch einen weiteren aber letzten Höhepunkt dieses Weltklasse-Creeks.

Foto 7: Traumfinale eines Weltklasse-Creeks Paddler: Darin McQuoid Foto: Jonas Grünewald
Aktualisiert (Donnerstag, den 10. Juni 2010 um 04:24 Uhr)



